GMT |

Bluffen bei Ring Spielen

Bluffen bei Ring Spielen

von Matt Lessinger

1999 begann ich online Poker zu spielen, und das, obwohl ich zu dieser Zeit in Las Vegas wohnte. Die Online Spiele waren so loose und so lebhaft, dass ich so wie gut wie keinen Grund mehr sah, das Haus verlassen zu müssen. In dieser Zeit hatte ich einige meiner größten Erfolge. Es war eine Ära, der loosen Spiele auf dem Computer und der relativ tighten Spiele in den traditionellen Kartenräumen.

In den vergangenen zwei oder drei Jahren, hat eine eindeutige Veränderung stattgefunden, und die typischen Online Spiele sind viel tighter und härter geworden als früher. Ich glaube, der Komfort des Online Spielens hat viele Profis oder sonstige solide Spieler dazu gebracht, von zu Hause aus “zu arbeiten”. Gleichzeitig hat die Teilnahme von schwachen Spielern abgenommen, entweder weil sie pleite gegangen sind oder weil sie kapiert haben, dass sie in der Minderheit sind.

Alles in allem, sind das keine großartigen Neuigkeiten. Aber es gibt einfach zu viele andere, großartigen Sachen beim Online Poker, als das man damit aufhören würde. Denkt man an all die positiven Faktoren eines Online Casinos, unter anderem die hohe Anzahl der Hände pro Stunde, die Möglichkeit an mehreren Tischen gleichzeitig zu spielen, das Fehlen von Dealerfehlern, die gesparten Gesamtkosten, und die allgemeine Bequemlichkeit, dann braucht es schon mehr, als bloß schwere Spielbedingungen, um passionierte Spieler zum Aufhören zu bewegen.

Wenn Sie also regelmäßig online spielen wollen und auf der Suche nach dauerhaften Erfolgen sind, müssen Sie sich kontinuierlich den momentanen Bedingungen des Spiels anpassen können. Das heisst für den Moment, dass Sie erstmal die zunehmende Tightness Ihres typischen Online Gegners erkennen müssen. Im Gegenzug heisst das, dass Sie in Ihre Strategie wahrscheinlich mehr Bluffs als zuvor einbauen sollten. Natürlich hängt dies größtenteils von der Beschaffenheit Ihres Spiels ab.

Wenn man bei Ring Spielen spielt...

Ich habe festgestellt, dass viele Spieler in einen Auto-Piloten-Modus verfallen. Diese werfen vor dem Flop einen schnellen Blick auf ihre Karten, entscheiden daraufhin sofort, ob sie spielbar oder nicht spielbar sind, und klicken dann auf den Knopf zum automatischen Passen, wenn sie sich für letzteres entschieden haben. Man kann einen Spieler, der automatisches Passen eingestellt hat, daran erkennen, wie schnell seine Karten gepasst werden. Wenn diese Karten sofort weg sind, sobald er an der Reihe ist, und nicht erst nach ein oder zwei Sekunden, ist dies ein zuverlässiger Hinweis darauf, dass er automatisches Passen eingestellt hat.

Ein Überfluss dieser Spieler hat zu tighteren Spielen geführt, bei denen überraschend viele Hände nicht mal bis zum Flop im Spiel bleiben. Sonst sind es normalerweise, zwei bis vier Spieler, die den Flop zu sehen bekommen. Diese Art von Spiel bekommt man in echten Kartenräumen nur selten zu sehen, da dort auch beim Flop noch zwischen drei und zehn Spieler im Spiel sind.

Dann, nach dem Flop, fällen viele Online Gegner wiederholt ein schnelles Vorurteil. Wenn der Flop die eigene Hand irgendwie verstärkt, ziehen sie es vielleicht in Erwägung, weiter zu spielen. Aber wenn der Flop, die eigene Hand nicht verstärkt, klicken sie auf den Knopf zum automatischen Passen und klinken sich erst wieder in der nächsten Runde ein.

Dies ist in erster Linie ein Online Phänomen. Das liegt entweder daran, dass ein Spieler an mehreren Tischen gleichzeitig spielt und deshalb seine ganze Aufmerksamkeit dem Tisch widmen möchte, bei dem er die besten Gewinnchancen auf den Pott hat. Oder aber, ein Spieler macht viele Dinge gleichzeitig, schaut, während er spielt, Fernsehen oder macht andere Dinge, oder will sich auf andere Dinge konzentrieren, wenn er gerade keine Hand spielt.

In diesem Fall sollten Sie Ihre Bluff Häufigkeit an zwei Fronten erhöhen. Erstens vor dem Flop, wenn Sie in der Button-Position oder am Small Blind sitzen, und alle vor Ihnen gepasst haben, - dann sollten Sie darüber nachdenken, auf einer dieser beiden Positionen zu erhöhen. Hoffentlich achten Sie darauf, ob die Spieler zu Ihrer Linken die automatische Passen-Option eingestellt haben. Wenn ja, werden diese normalerweise nicht einmal bemerken, wer sie erhöht. Sie werden bereits auf die Option automatisches Passen geklickt haben und ihre Aufmerksamkeit bereits auf etwas anderes gelenkt haben. Das heisst, dass sie ohne Angst vor Vergeltung wiederholt auf ihnen herumhacken können. Das heisst auch, dass das Erhöhen auf einer dieser beiden Positionen gute Aussichten hat, weil ein typischer tighter “Auto-Passen”-Spieler, weniger als ein drittel seiner Hände in einem Ring Spiel für spielbar befindet.

Nach dem Flop sollten Sie Ihre Bluff Häufigkeit ebenfalls erhöhen. Nochmal, es hilft Ihnen, wenn Sie darauf achten, welche Spieler die automatische Passen- Option eingestellt haben. Sobald Sie diese einmal ausgemacht haben, werden Sie feststellen, dass diese nach dem Flop genauso handeln wie schon vor dem Flop. Nämlich, dass sie mehr auf ihre eigenen Karten achten, als auf die Spieler, die wetten. Wenn einer oder mehrere davon noch mit Ihnen im Pott sind und noch vier oder weniger Spieler den Flop zu sehen bekommen, sollten Sie am besten ziemlich oft beim Flop wetten.

Zwei weitere Dinge können Ihnen außerdem behilflich sein – Ihre Position und die Beschaffenheit des Flops. Wenn Sie sich auf der Late Position befinden und vor ihnen alle mitgegangen sind, sollte Ihnen das einen Anstoß dafür geben, zu bluffen. Versuchen Sie außerdem, einen Flop zu stehlen, der die Hände Ihrer Gegner wahrscheinlich nicht verstärkt hat. Regenbogen Flops (drei verschiedene Farben) mit einem Paar wie 7c-7d-2h oder 8s-3d-3c sind besonders vorteilhaft. Viele Spieler schauen sich den Flop an und entscheiden dann, dass ihre Hand nicht verstärkt wurde; und klicken daraufhin auf automatisches Passen, mental schon auf die nächste Runde eingestellt. Vielleicht kann es vorkommen, dass ein anderer Spieler einen Teil des Flops für seine Hand nutzen kann und Sie deswegen bekämpfen wird, aber es braucht nur eine kleine Wette, um das herauszufinden.

Sie brauchen nicht mal einen Flop, um derart perfekt zu sein. Solange ein Spieler ,ein hohes Paar in der Hand hält und auf keine Verbesserung der Karten beim Flop hofft, wird er grob geschätzt in zwei Drittel aller Fälle, seine Flops nicht treffen. Sie sollten mit Flops wie Qc-10h-7c eher behutsam weiterspielen, weil es wahrscheinlicher ist, dass ein Spieler damit ein Paar oder einen bestimmten Draw erzielt hat. Aber bei Flops, die keine offensichtlichen Draws zeigen, sinkt die Wahrscheinlichkeit entscheidend, dass jemand mit einem mitgeht.

Haben Sie keine Angst, wenn ein Ass fällt. Das Ass ist für Ihre Gegner genauso angsteinflößend wie für Sie auch; und viele tighte Spieler werden bei einem Flop mit einem Ass automatisch-passen, es sei denn, sie haben selbst ein Ass. Es ist außerdem ziemlich wahrscheinlich, dass wenn Sie gecallt werden, Ihr Gegner ein Ass hat. Nochmal, wenn Sie sich unter Auto-Fold-Spielern befinden, ist der Preis, das herauszufinden, kostet oftmals nicht mehr, als die kleine Wette, welche nett und billig ist. Im Gegenzug dazu, heisst das, dass Sie Ihre Bluffrate senken müssen, um erfolgreich einen Profit einkassieren zu können. Solange Sie damit nicht übertreiben, sollten Sie diese Gelegenheiten so oft wie möglich nutzen.

Vielleicht machen Sie sich Sorgen, dass jemand versucht den Pott zu stehlen und irgendwie gegen Sie Stellung zu beziehen, doch das passiert eher in echten Kartenräumen. Online Spieler kommen und gehen ziemlich häufig, so dass Sie zuvor schon viel zu viele Hände gespielt haben müssen, bevor der typische Spieler überhaupt Notiz von Ihnen nimmt. Ich sage nicht, dass Sie bei jedem Pott bluffen sollen. Es reicht, wenn man es jede Stunde ein paar Mal macht, und Sie werden sehen, wie Ihre Gewinnrate entscheidend ansteigt.

Bluffen ist auch bei Spielen mit weniger als 10 Spielern, ein hilfreiches Mittel, aber dieses Thema hebe ich mir für meinen nächsten Artikel auf. Im folgenden finden Sie noch Artikel zu Short-Handed Spielen, und zu den Anpassungen, die man bei seinen Bluffstrategien machen muss, wenn man gegen Spieler mit short-hand Erfahrungen spielt. Ich hoffe, wir sehen uns dann wieder.

Matt Lessinger ist ein langjähriger professioneller Pokerspieler und Schriftsteller; er ist der Autor von The Book of Bluffs: How to Bluff and Win at Poker.

Dear visitors,

Titan Poker does not accept players from your region.

Please contact our customer service team at support [at] titanpoker [dot] com for more information.

Best regards,

Titan Poker