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Betrüger, Süchtige, Profis und die Professionalisierung von Poker

Posted by Andrada Istrate, July 29, 2014

Wenn Sie Teil der Poker-Community sind, sind Sie unweigerlich auf die verschiedenen Definitionen gestoßen, die Poker entweder als Glücksspiel oder als Geschicklichkeitsspiel einordnen. Ein Blick auf die Art und Weise wie Glücksspiel in den Vereinigten Staaten gesetzlich geregelt wurde, zeigt, dass diese Debatte tief in der Geschichte und Struktur des Spiels eingebettet ist. Der Poker-Historiker James McManus deckte in Cowboys’ Full: The Story of Poker auf, dass alle Glücksspiele 1891 verboten wurden. Das Verbot wurde im Jahr 1911 wieder aufgehoben, aber nur für Draw Poker. Der US-Anwalt argumentiert damals, dass Poker eher ein Spiel der Wissenschaft sei, als ein Spiel des Glücks. Wie kommt es, dass wir rund hundert Jahre später immer noch darum streiten, ob Poker mehr mit Geschicklichkeit, oder mit Glück zu tun hat? Eine schnelle Google-Suche zeigt, dass diese Debatte immer noch stark präsent ist. Glücksspiel Analytiker und Glücksspiel Studenten, Poker-Fans, Experten oder Profis, geschweige denn Zeitungskolumnisten, die für Publikationen schreiben, vertiefen sich mit der uralten Frage - hat Poker mehr mit Glück oder mit Können zu tun? Interessanterweise zeigt das Gespräch mit Pokerspielern (nicht nur Profis, sondern auch regelmäßige Spieler) auf, dass sie eher auf der Seite des Geschicks stehen und eben nicht auf der Seite des Glücks.

Professionalisierung von Poker

 

Statt etwas zu diesem Streit hinzuzufügen, ist mein Ziel eher eine Erklärung zu geben, warum dieser Meinungsstreit immer noch besteht. Mein Argument lautet: auf der einen Seite gibt es etwas in diesem Puzzle von ”Glück oder Können?”, das unbeantwortet bleiben sollte, da es grundlegende Poker Erfahrung ist. Indem man das Puzzle einfache wieder nachspielt, werden neue Teilnehmer ständig im Spiel gehalten. Zunächst ist es eine Einladung (wenn nicht gar Werbung) für die Spieler es selbst herauszufinden und die Glück – Können Debatte wird zu einer Möglichkeit für Spieler, ihrem Spiel Sinn zu geben. Zur gleichen Zeit dient das Puzzle als Mittel, um interne Unterscheidungen unter den Spielern zu machen, wie z.B. "Sharks" und "Fish", Profis und Spieler. Auf der anderen Seite, während einige von uns, herausgefunden haben, was es mit dem Glück, Zufall und Geschick bei Poker auf sich hat, gibt es immer noch etwas, was wir uns selbst noch nicht gefragt haben: Von welchem Poker reden wir wirklich? Poker vom neunzehnten Jahrhundert? Casino Poker? Oder ist es das Poker, das online praktiziert wird? Poker, das in Casinos gespielt wird und besonders online Poker brachte eine intensive Beschleunigung des Spielrhythmus mit sich, sowie das Poker Lernen wurde für jedermann zugänglich. Im Gegenzug wurde das Objekt des Glück-Können Puzzles wegen der Ansprüche der Spieler nach Professionalisierung aufgefrischt. Ich bespreche die Art und Weise, wie die Praxis Poker umgewandelt hat, sowie die Formen der Professionalisierung, die damit einhergehen.

 

Poker ist eine Kombination von Wettstreit und Glück

Gaming Studenten beginnen ihre Analysen, indem sie überprüfen, ob ihr Untersuchungsthema in eine der Kategorien, Zufall oder Geschick fällt. Spiele werden in der Regel eingeteilt in diejenigen, die hauptsächlich Glück miteinbeziehen (wie Roulette oder Spielautomaten), und in diejenigen, die Chance ganz ausschließen (wie Schach zum Beispiel). Poker, so argumentieren sie, befindet sich in der Mitte. Der französische Schriftsteller und Philosoph Roger Caillois, bringt in seinem Man, Play, and Games (1959) eine nützliche Typologie vor. Er schlägt vor, dass Spiele wie folgt eingeteilt werden sollten, unter Berücksichtigung von Wettbewerb (agon, wie beispielsweise Fußball oder Schach), Glück (alea, wie z.B. Roulette), Simulation (mimicry, in Theaterstücken, wie Hamlet) und Vertigo (illinx) in Bezug auf alles. Poker würde als eine Kombination von agon und alea, Wettbewerb und Glück stehen. In der Tat ist Poker ein Wettbewerbsunterfangen, denn die Gleichheit unter den Spielern wird von Anfang vorausgesetzt. Es ist ein Spiel, das Übung, Aufmerksamkeit, Disziplin, Durchhaltevermögen erfordert und basiert auf dem Wunsch Überlegenheitsansprüche zu beweisen - möge der bessere Spieler gewinnen. Zur gleichen Zeit ist das Element des Zufalls immer noch ein fester Bestandteil, über den die Spieler keinen Einfluss haben.

"The Poker Game" von Félix Vallotton

 

Obwohl solche Kategorien für die Sozialwissenschaftler, als auch für den flüchtigen Beobachter eine schnelle Lösung sein könnten, sollte man beachten, dass diese Kategorien sich mit der Form des Spiels befassen und eben nicht mit dem Inhalt. Mit anderen Worten, es ist ein langer Weg von der Darstellung von Poker, bis zur eigentlichen Arbeit, die die Spieler leisten. In Interviews mit professionellen Pokerspielern bemerkte ich einen viel interessanter Aspekt der Glück versus Können Debatte, nämlich ob und wie die Spieler eine Vorstellung von Glück oder Zufall in ihrem Spiel haben und wie sich das in die Erfahrung einzelner Spieler integriert. Setzen sie ihr Geld auf riskante Ergebnisse? Klar, könnte ein außenstehender Beobachter antworten. Ein Profi könnte aber anders argumentieren.

 

Professionelle Spieler bemühen sich durchgehend und ständig zu gewinnen

Profipoker ist nicht nur auf die referenzierten, bekannten und manchmal verherrlichten Poker Champions und Superstars beschränkt. Es bezeichnet eine Berufsgruppe, die stolz darauf ist, ihren Lebensunterhalt mit Pokerspielen zu verdienen. Professionelle Pokerspieler verbringen ihre Zeit im Casino oder vor ihrem Computer und finden eine Möglichkeit durchgehend und beständig zu gewinnen. Sie entwickeln Fähigkeiten, wie Disziplin und Bankroll Management, lernen, wie man Bad Beats überlebt und minimieren die Breakdowns der “goin’ on tilt” Momente. Trotz der Schwankungen und Variationen sind die Profis die Spieler, die sich ausschließlich auf Poker verlassen, um ihr Einkommen zu verdienen. Sie integrieren das Spiel in ihr tägliches Leben - nur so können sich deshalb selbst als professionelle Pokerspieler definieren. Für sie ist Poker mehr als ein Spiel, es ist Teil ihrer Selbstdarstellung, die möglicherweise wichtiger als ihre ursprünglichen Tätigkeiten oder Berufen (Akademiker, Ingenieure und Ähnliches) ist.

Wie kommt es also, dass es Pokerspieler immer noch schwer haben ihren täglichen Lebensunterhalt zu rechtfertigen? Ich behaupte, dass ein Teil der Antwort mit der Professionalisierung von Poker zu tun hat - Pokerspielen als legitimer Beruf. Historisch gesehen müssen zwei unterschiedliche Abhandlungen angegangen werden, um Poker als Beruf zu etablieren: (1) die, welche Poker mit rechtswidrigen Tätigkeiten verbindet (2) diejenige, welche die Punkte zwischen Poker und Spielsucht verbindet.

 

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Die etwas skandalöse Geschichte von Poker

Seit seinen Anfängen im neunzehnten Jahrhundert wurde über die Geschichte von Poker vielfach von Schwindel, Gaunereien, Betrug und anderen Formen der absichtlichen Täuschungen geschrieben. Trickbetrüger und Falschspieler waren die ersten Charakter, mit denen das Spiel in Verbindung gebracht wurde und das Betrügen beim Kartenspielen war legitim. Das Austeilen der Karten von der Unterseite des Kartenstapels, Karten zinken, Doppelspiel, Karten austauschen, die Benutzung von Spiegelringen oder Betrug sind nur einige der zahllosen (und einige ziemlich geniale) Möglichkeiten, mit denen man bei Poker betrügen kann. Mit dem Aufkommen vom institutionellen Glücksspiel in Casinos, haben die Betrüger allmählich nachgelassen.

Als Glücksspiel für alle zugänglich wurde, lenkten Ärzte, Psychiater, sowie ein paar Sozialwissenschaftler die Aufmerksamkeit auf die vermeintlich abartigen, pathologischen und sogar unmoralischen Eigenschaften der Glücksspiele (einschließlich Poker). Ein großer Teil der Literatur über Glücksspiel schildert den Spieler als problematische Figur – er ist entweder schwachsinnig oder wahnhaft. Spieler sind als zweifache Verlierer zu sehen, denn sie verlieren Geld auf der einen Seite und auf der anderen den Bezug zur Realität. Wenn man Glücksspiel als Bestreben definiert, das außerhalb des Bereichs von Laster und Sünde steht, aber auf dem Gebiet der Medizin, mobilisiert es eine gesamte therapeutische Gemeinschaft, die kommt, um den Kranken zu retten, sowie den Spieler mit einem gesamten Vokabular an Motiven und an praktische Begründungen bewaffnet, mit denen er sein Verhalten erklären kann.

"Affengesellschaft beim Spiel"

 

Raus aus den dunklen Kellern mit improvisierten Pokertischen entstand auf Anhieb eine neue Art von Beruf, die öffentliche Akzeptanz und Anerkennung verlangte. Die Assoziationen über Poker und Spielsucht, sowie über diejenigen zwischen Poker und Marginalität machen es schwierig professionelles Poker als Beruf zu etablieren. Man könnte sogar behaupten, dass die Einbeziehung von Pokerspielen in einem System von Berufen etwas extravagant sein könnte. Aber warum ist das so? In seinem System of Professions (1988) macht Andrew Abbott das Beispiel von der Autoreparatur und der offensichtliche Aberkennung des Status dieses Berufes: “Für viele Schriftsteller gilt, wenn man etwas als Beruf benennt, wird es zu einem. Menschen sehen die Autoreparatur nicht als Beruf an, weil sie ihm nicht die Würde gewähren möchten. Diese Weigerung hat wohl weniger mit den tatsächlichen Eigenschaften der Autoreparatur als intellektuelle Disziplin zu tun – welche vom Konzept her ziemlich nah an denen der Medizin sind – als mit dem Ansehen der Arbeit und denjenigen, die sie verrichten”.

 

Bremsschwellen und Begrenzungen auf dem Poker-Weg zur Anerkennung

Der Weg zur Professionalisierung ist voller Geschwindigkeitsbegrenzungen und Beschränkungen. Die gesamte Diskussion scheint auf Treibsand zu stehen - lassen Sie mich erklären, warum. Die Anhänger der “illegalen Poker“ Seite scheinen den Wald nicht vor lauter Bäumen zu sehen, das heißt, sie machen aufmerksam auf die leichtlebigen Betrüger, während sie alles andere komplett überwachen, außer die Betrogenen. Und einer der Gründe ist, dass wir uns vielleicht in einem kulturellen toten Winkel befinden. Beliebte Glücksspiel Literatur und Filme formulieren zum Beispiel, dass die Betrüger bestechender aussehen als die Grinder. Mehr als das, die meisten von uns freuen sich und das ganz gerechtfertigt, wenn der charmante Paul Newman Robert Shaw in The Sting (1973) bemogelt - der Schwindel wird in moralische Vergeltung umgewandelt. 

 

Die andere Seite wird professionellem Poker auch nicht gerecht. Spielsucht Befürworter richten ihre Aufmerksamkeit meist auf die Konsequenzen - Spieler verlieren ihre Arbeit und Optionen im Leben an das “Laster”, jagen vergangenen Verlusten hinterher, Familien zerbrechen wegen der Unmöglichkeit, die Zeit und das Geld das für Glücksspiel verwendet wird, einzuschränken. Wenn man Poker in die gleiche Kategorie wie Spielsucht setzt, wird die eigentliche Arbeit, welche Spieler leisten überschattet. Um ein Gleichgewicht herzustellen, muss mitberücksichtigt werden was die Profis zu sagen haben, die investierte Mühe, sowie das praktische Wissen von Poker.

 

Die Intelligenz Poker zu spielen

Spieler fertigen eine Ad-hoc-Theorie von praktischem Wissen. Lassen wir uns einen Blick darauf werfen, wie Lernen bei Poker funktioniert. Spieler befinden sich in einer Übungsgemeinschaft und teilen einen ähnlichen Wortschatz, sie recherchieren (die meisten von ihnen lesen Pokerbücher und besuchen häufig Internet-Foren und Podcasts), reden miteinander, berichten über Spielerfahrungen, diskutieren Hände und manchmal geben sie sich sogar gegenseitig Tipps, wie man in bestimmten Spielsituationen spielen sollte. Vielfach ist Pokerwissen nicht Gegenstand des Denkens, man erlangt es in erster Linie über die Praxis. Es kommt nicht als Anweisungsset, sondern es wird mit jeder neuen Spielsituation und je mehr Hände gespielt werden, gebildet. Ein rumänischer Profi sagte mir einmal: “es gibt Dinge, die man nicht lernen kann und man muss Talent und Erfahrung erlangen, auf der Stelle improvisieren können und jeden Augenblick mit etwas Neuem aufkommen. So etwas kann man nicht lernen, egal wie viel man es versucht. Man muß schlau beim Poker Spielen sein. Bisher hab ich noch keine dummen erfolgreichen Spieler gesehen.”

Je mehr Spieler ihr Spiel verbessern, desto mehr werden sie beginnen, sich einer praktischen Spieltheorie anzunähern. Je weiter entwickelt sie sind, desto mehr werden sie versuchen, das Element Glück in der Spielstruktur zu beseitigen. Zum Profi zu werden bedeuet, das Spiel von einem interaktionellen zu einem wahrscheinlichen umzudefinieren und zur gleichen Zeit zwei Grundprinzipien zu integrieren - (1) Poker ist kein Glücksspiel und (2) langfristig gesehen gilt, der bessere Spieler gewinnt.

Poker Chip Set

 

Dieser Ansatz ist sichtbarer, wenn Spieler über Online Poker diskutieren, welches manchmal als die reinste Form von Spiel beschrieben wird. Was bedeutet das? Nun, einfach gesagt, da sich die individuellen Wege zur Professionalisierung auf lange Sicht verwirklichen, ruft Online Poker langfristig gesehen eine Komprimierung hervor - die gleiche Anzahl von Händen die gespielt werden, aber in viel weniger Zeit. Diesen Unterschied sehen Sie beispielsweise zwischen live und online Poker. Eine Hand wird im live Spiel in ca. drei bis fünf Minuten gespielt. Online dauert es etwa dreißig Sekunden. Die Hyper und Super Turbo SNGs, die Möglichkeit gleichzeitig an mehreren Tischen zu spielen, sowie die Rund um die Uhr angebotenen Turniere geben den Spielern die Möglichkeit mehr Spielsituationen und mehr Hände zu spielen, als sie es traditionell schaffen würden. Ein Profi, den ich im Jahr 2012 interviewte bezeichnete dies besser: “Den Unterschied macht auf lange Sicht gesehen wie Sie als Spieler spielen. Wenn Sie viele Hände spielen, interveniert das Glück nicht so viel, als wenn Sie weniger Hände spielen. Und, solange Sie sich selbst gut verwalten, wie in jedem Geschäft, haben Sie wirklich Chancen zu gewinnen.

 


Andrada IstrateAndrada Istrate studierte Soziologie an der Universität Bukarest und Soziologie und Sozialanthropologie an der CEU Budapest. In den letzten fünf Jahren erforschte sie die rumänische Glücksspiel-Szene, mit einem besonderen Interesse an den Formen der Professionalisierung unter Pokerspielern. Zur Zeit arbeitet sie an ihrer Doktorarbeit über die rumänischen Schneeballsysteme der 1990er Jahre, mit Fokus darauf, wie die Menschen neue Vorstellungen von Zeit, Hoffnung, Wert, Geld und Moral entwickeln und verbreiten.


 

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